Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch nach Greifswald. Die wohl beeindruckendste Stadtansicht bietet sich aus Richtung Stralsund. Reisende werden von der Silhouette begrüßt, die einst durch Caspar David Friedrich unvergesslich wurde. Von der Neubrandenburger Seite bietet sich ein ganz anderes Bild: sanierte Neubauviertel und nach der Wende erschlossene Gewerbegebiete zeigen den Weg in die Zukunft. Und wer sich aus Richtung Loitz über Dersekow auf den Weg nach Greifswald macht, erlebt das Schauspiel des Platzwechsels der drei gotischen Backsteinkirchen St. Jakobi, St. Nikolai und St. Marien.
Nur wenige hundert Meter hinter dem Ortseingangsschild aus Richtung Stralsund liegt das Greifswalder Flüsschen “Ryck”. Hier befindet sich anrenzend an die Steinbecker Brücke der alte Stadthafen, der heute als Liegeplatz der Museumsschiffe dient und somit ein großer Anziehungspunkt für Touristen ist. Das Umfeld des Museumshafens soll in Zukunft stärker den Charakter einer Bummelmeile bekommen. Einen Anfang dafür macht die kürzlich errichtete Fußergängerbrücke über den Ryck hin zu den neuen Häusern am Fluss, der denkmalgeschützten Buchholz- und der modernen Yachtwerft.
Im Jahr 2000 hat Greifswald sein 750. Stadtjubiläum gefeiert, trotzdem ist die Stadt jung und voller Ideen geblieben.
Die ersten Siedlungsspuren im Bereich der Altstadt haben Archäologen für die Zeit um 1230 nachgewiesen. Etwas eher, um 1199, wurde das Zisterzienserkloster Hilda, bekannt durch die Zeichnungen Caspar David Friedrichs, gegründet. Es lag damals im Grenzraum des Fürstentums Rügen und des Herzogtums Pommern und wurde von beiden Mächten in gewisser Weise gefördert. 1250 verlieh Herzog Wartislaw III. Greifswald das Lübische Stadtrecht. Nach dem Aussterben der Rügenfürsten 1324 traten die Pommernherzöge, dank entscheidender Mitwirkung von Greifswald, deren Nachfolge an.
Besonders geprägt wurde die Entwicklung der Stadt bis zum Ende des 15. Jahrhunderts von ihrer Zugehörigkeit zum Städtebund der Hanse. Handelspolitische Aktivitäten im Zusammenwirken mit den Seestädten von Lübeck bis Stettin standen hier im Mittelpunkt. Die Gründung der Universität am 17. Oktober 1456 ist für das heutige Greifswald eines der wichtigsten historischen Ereignisse. Aus Anlass des 550-jährigen Bestehens der nach Rostock zweitältesten Universität Nordeuropas ist das Jahr 2006 zum Jubiläumsjahr unter dem Motto “Wi55en l0ckt” ernannt worden.
Mitte des 15. Jahrhunderts war der Schwedenkönig bereits als deutscher Reichsfürst Herzog von Pommern und somit Landesherr. Als das pommersche Greifengeschlecht 1637 ausstarb, wurde das Land am Meer im Westfälischen Frieden unter Brandenburgern und Schweden geteilt. Die Dänen hatten nur kurzweilig im Nordischen Krieg 1716 bis 1720 das Sagen. Die richtige Zugehörigkeit des verbliebenen Rests Pommerns zu Schweden erfolgte erst 1806 mit dem Staatsreich Gustav IV. Adolf.
Durch die französischen Besetzungen war dies nur ein kurzes Zwischenspiel, bevor die Preußen 1815 das letzte Stück Pommerns, nämlich Neuvorpommern und Rügen, bekamen. Greifswald erlebte dank der Integration in ein viel größeres Umfeld einen starken Aufschwung. Neostil- und Jugendstilbauten prägten das Stadtbild während der Herrschaftszeit der Hohenzollern. Vor allem in der Friedrich-Loeffler- und in der Rubenowstraße entstanden stattliche Klinkerbauten für die Universität.
Dank der kampflosen Übergabe an die sowjetische Armee am 30. April 1945 unter der Federführung des damaligen Kampfkomandanten Oberst Rudolf Petershagen hat Greifswald den Zweiten Weltkrieg unzerstört überstanden. Die Standortbedingungen verschlechterten sich nach dem Krieg durch den Verlust den größten Teils von Pommern, insbesondere Stettin. Aber es folgten auch wieder bessere Zeiten: Greifswald wurde Sitz des Bischofs der Pommerschen evangelischen Kirche und einer Reichsbahndirektion. Die industrielle Aufrüstung erfolgte vor allem durch das Nachrichtenelektronikwerk (heute Siemens) und das Kernkraftwerk Nord bei Lubmin, wo viele tausend Greifswalder tätig waren. 1967 betrug die Einwohnerzahl Greifswalds 47.000, 1983 waren es bereits 63.000 Einwohner. 75.000 Einwohner zählte die Stadt 1989.
Eine entscheidende Veränderung des Stadtbildes trat in den siebziger und achtziger Jahren ein: Vor allem im Bereich zwischen Hafen- und Langer Straße erfolgte eine zunächst erträgliche und durchaus architektonisch ansprechende Modernisierung mit angepassten Plattenbauten. Aufgrund von Finanznöten, fehlendem Material und fehlenden Kapazitäten wurden die Häuser in der Innenstadt leergezogen und die Bewohner siedelten in die Neubauviertel über. Die Folge war die Abrissbirne für viele erhaltenswerte Häuser in der Greifswalder Altstadt.
Die Rettung des Marktes und anderer wertvoller Bauten kam zum Glück noch rechtzeitig mit der Wende. Verwaltungs-, Oberverwaltungs-, Finanz- und Verfassungsgericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern siedelten sich in Greifswald an, womit die Hansestadt an die bedeutenden Zeiten als Hort der Justitia anknüpft.
Universität und angegliederte Forschungsinstitute, Gerichte und Berufliche Schulen sichern heute ein Stück Greifswalder Zukunft. Besonders gewachsen ist die Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Die Studentenzahlen haben sich innerhalb der letzten Jahre mehr als verdreifacht. Forschung und Lehre bilden dabei den Mittelpunkt. Nicht zuletzt trägt das neu gebaute Klinikum als modernste Klinik Europas und der angegliederte neu geschaffene Campusbereich zur hohen Nachfrage der Greifswalder Universität bei den Studierenden und Dozenten bei.
Unternehmen wie Siemens, das Max-Planck-Institut und das Technologiezentrum ebnen den Weg in die Zukunft und sind neben der Universität die größten Arbeitgeber der Region. In unmittelbarer Nähe der Hansestadt hat sich die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere einen bedeutenden Namen in der gesamten Bundesrepublik gemacht.
In den letzten Jahren hat sich insbesondere der Altsstadtkern durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen zu einer besonderen Attraktivität entwickelt. Zahlreiche Backsteingebäude und Giebelhäuser erstrahlen in neuem Glanz. Investoren aus der Hansestadt, der gesamten Bundesrepublik sowie dem Ausland trugen dazu bei.
Zu den schönsten Gegenden Greifswalds zählen zweifelsfrei die Vororte Eldena und Wieck, die bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt sind. Die großartigen Backsteinruinen des Zisterzienserklosters Hilda im Stadtteil Eldena erinnern eindrucksvoll an die Malkunst Caspar David Friedrichs. Heute dienen sie als Veranstaltungsort, unter anderem für die Eldenaer Jazz Evenings und verschiedenste Theatervorstellungen. Kulturelle Höhepunkte der Hansestadt sind ebenfalls das Festival Nordischer Klang sowie die Bach-Wochen, die sich weit über Greifswalds Grenzen einen Namen gemacht haben.
Maritimes Flair erhält Greifswald nicht nur durch die unmittelbare Nähe zum Greifswalder Bodden, sondern vor allem auch durch das ehemalige kleine Fischerdorf Wieck. Besondere Anziehungspunkte sind die 1886 errichtete Klappbrücke, die rohrgedeckten Häuser, die Boote, Schiffe sowie die Schonerbrigg “Greif”. Im Sommer findet hier alljährlich das populäre Fischerfest statt.
Heute ist die altehrwürdige Hanse- und Universitätsstadt Greifswald über die A20 von Berlin, Hamburg und Stettin schnell erreichbar - für Forschung, Lehre, Wirtschaft und Tourismus ein sehr guter Standort.







